ALWIN BELLMANN                        home

Der letzte Krieg ging, wie man weiß, verloren. So war mir auch der Dank des Vaterlandes nicht mehr gewiss. Drei Monate zu früh, so teilte man mir von Amts wegen mit, sei ich im Jahre 1944 zu den Waffen geeilt, habe meine Schulzeit also nicht ordnungsgemäß beendet und deshalb keinen Anspruch auf eine Vorsemesterbescheinigung, die mir nach einem sechsmonatigen Spezial-Kursus die Hochschulreife gebracht hätte.     

 

2003

So landete ich wieder in der Oberprima des ehemaligen Realgymnasiums des Johanneums, bis ich zwangsweise an ein Gymnasium in St. Georg versetzt wurde. Und hier konnte ich dann nach Luftwaffenhelfer-, Arbeitsdienst und Militärzeit den Anforderungen nicht mehr gerecht werden. Ich versuchte mich eine Zeitlang mit geringem Erfolg als freier Journalist, trat aber dann, auch weil es dort zusätzlich etwas zu essen gab, eine Hotel-Lehre im „Hotel Continental" an der Kirchenallee an und beschäftigte mich nebenberuflich mit dem Schwarzhandel von Zigaretten und Spirituosen. Dem setzte schließlich die Währungsreform ein Ende. Ich zog um von der Kirchenallee auf die wacklige Plattform eines Speisewagens, erkundete mit ihm die Schienenstränge der Deutschen Bundesbahn und setzte meine während der Schwarzmarktzeit erworbene „kriminelle Energie" für den Schmuggel von Kaffee und französischen Likören aus Belgien ein.

Irgendwann wurde ich dann doch noch ein braver Bürger, Ehemann im Jahre 1949 und Vater im Jahre 1950. Arbeit fand ich in verschiedenen Hamburger Hotels und Restaurants, bis mich ein alter Freund aus Flakhelfer-Tagen, der bei der „Welt" als Redakteur tätig war, überredete, es doch noch einmal mit dem Journalismus zu versuchen. Der zweite Anlauf war ein Erfolg. Es begann mit kleinen Glossen in der „Welt", und setzte sich fort mit Gerichtsberichterstattung für die „Welt am Sonntag", mit Arbeiten für die „Norddeutschen Hotelnachrichten" und als freier Korrespondent für die in Stuttgart erscheinende Wochenzeitung „Christ und Welt". 1960 gab mir dann das „Hamburger Abendblatt" eine Anstellung als fester freier Mitarbeiter. Ein Jahr später erhielt ich einen Reporter- und Redakteursvertrag und arbeitete als Gerichtsberichterstatter bis 1965.

Anschließend ging es dann rund. Ich berichtete für das „Hamburger Abendblatt" aus fast allen Ländern Europas, aus Nord-Afrika, den USA und Südamerika. Erst als die Haare immer grauer wurden, durfte ich sesshaft werden. Verantwortlich war ich zunächst für die Verbraucher-Seiten der Zeitung, daneben tätig als Restaurant-Tester und schließlich Leiter des monatlich erscheinenden Freizeit-Journals.

Die deutsche Wende sah mich dann als Pensionär, dessen Dienste man aber sehr schnell für die Berichterstattung aus Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen wieder in Anspruch nahm. Es folgten schöne, ruhige Jahre, bis mich meine Frau 2002 nach 52jähriger, glücklicher Ehe nach langer Krankheit für immer verließ. Der Trauer begegnete ich mit dem Schreiben kleiner Hamburg-Geschichten, die auch als Buch erschienen, und bis heute pflege ich mein Hobby, die Aquarellmalerei.

Erschienen 2003 im Wartberg Verlag, ISBN 3-8313-1380-6, leider vergriffen.

Eine der Geschichten, "Gaudeamus igitur", handelt von den Lehrern "Jumbo", "Moses", "Beowulf" und "Attila" am Realgymnasium des Johanneums in der Armgartstraße, Hamburg.
Aquarelle von Alwin Bellmann

Ausstellung vom 11. Mai bis 30. Juni 2006 im Haus der Volksbühne im Graumannsweg 31, 22087 Hamburg

Anmerkung:
Die Kinderlandverschickung erlebte ich in Neuhausen und später in Seiffen (Lehrer Wilhelm Clausen und Dr. Wegner). Neuhausen habe ich gleich nach der Wende besucht und dort eine Frau gefunden, die damals bei uns in der Küche ihr sogenanntes Pflichtjahr absolvierte. Hanna ist inzwischen 81 Jahre alt. Ich habe sie bereits dreimal (zweimal mit meiner Frau) besucht und pflege bis heute ständigen Kontakt (telefonisch). Noch eine Reise ist mir leider aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich und auch Hanna kann nicht mehr nach Hamburg kommen.
Alwin ist am 16. August 2007 gestorben.

home up