Bildungsjahr

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Die meisten von uns, die 1947 Abitur gemacht hatten, wollten studieren. Die Uni hatte aber kaum freie Studienplätze. Deshalb wurde an den Hamburger Schulen ein "Bildungsjahr" eingerichtet, das die Studierwilligen auffing, Allgemeinbildung vermittelte und die Berechtigung verschaffte, Lebensmittelkarten zu beziehen.
Der Unterricht wurde meist von unserem alten Klassenlehrer Ahlgrimm erteilt, der uns eine Einführung in die Philosophie gab. Er ließ uns größte Freiheit, die wir nutzten, um an Vorlesungen an der Uni teilzunehmen, für die wir gar nicht eingeschrieben waren, und um Aufnahmeprüfungen im Mathematischen Institut zu machen.

Eines Tages stieß Oswald Haase zum Bildungsjahr. Er fiel auf, weil er alles mitschrieb, was bei den anderen links rein und rechts raus ging.

Oswald Haase, Dieter Möller und Carlo Vernimb, studierten dann ab Sommersemester 1949 Physik an der Uni Hamburg und brüteten oft gemeinsam nächtlich über Mathematikaufgaben.

Haase ging in die Angewandte Physik zu Prof. Raether und lernte viel über Eigenschaften von Festkörperkristallen und Versetzungen.
Möller studierte theoretische Physik und machte seine Doktorarbeit  über Quantentheorie der Molekülschwingungen des Wassers. Er hatte schon als Schüler die Idee gehabt, dass Molekülschwingungen und Geruch zusammenhängen könnten.
Vernimb ging nach Innsbruck und machte seine Doktorarbeit über Ultraschall und Festkörper.
Alle drei promovierten etwa zur gleichen Zeit, Ende der 50er.

Möller und Haase hatten später so engen beruflichen Kontakt, dass ein eigenes Kapitel erforderlich wird.