WALTER BLUME                        home

Junger Mann, von stattlichem Äußeren,
elegant gekleidet (Pelzkragen), umsichtig,
weltgewandt, besonders im Verkehr mit
Damen. Reges Interesse und besonderes
Verständnis für Theater und Musik
(stundenlanges Anstehen bei schneidendem
Ostwind, -15°, für zwei Opernkarten).
Gutes Abgangszeugnis (Nebenmann
Primusaspirant Maasch). Erteilt Unterricht
im Französischen bis zur Reife. Anschriften
an Iphigenie sur Tauris.

1947

1992

Rückblick oder Eckpunkte eines Lebenslaufes

Geboren wurde ich am 03. August 1927 in Hamburg.
Nach Besuch der Volksschule kam ich zusammen mit Oswald Maasch und H.-A. Pantelmann in die Sexta am Realgymnasium des Johanneums an der Armgartstrasse. Klassenlehrer Ahlgrimm. Die Klassengemeinschaft dieser Sexta des Jahrganges 1938 verließ ich 1940, weil meine Eltern Ihren Wohnsitz nach Stettin verlegten. Nach Krieg, Verwundung und russischer Gefangenschaft traf ich diese Klassengemeinschaft Ende 1945 wieder. Nicht alle hatten Glück und waren zurückgekehrt. Otto Behrens und Hosemann fehlten.

Wir wollten Kenntnisse wieder auffrischen und Wissen nachholen, das in den wüsten Jahren von 1942 bis 1945 wegen Kinderlandverschickung, Einberufung als Luftwaffenhelfer, Arbeitsdienst und Militärdienst verloren gegangen oder gar nicht vermittelt worden war. Dieselbe Klasse, dieselben Namen, aber andere Menschen. Reifer vielleicht, aber noch nicht erwachsen. Klassenlehrer: Nölle. Die Umstände des erneuten Schulbesuches waren nicht besonders erfreulich. Schichtunterricht, Kälte, Hunger, Orientierungslosigkeit und die Folgen der Stunde Null prägten das tägliche Leben und die Schule.

Das geistige Erwachen in dieser Klassengemeinschaft ist für mich eine sehr eindrückliche Erinnerung an diese Zeit Wir wollten lernen, wollten die Welt verstehen; wir suchten Erklärungen, aber wir erhielten keine. Die Schule war noch gefangen in den alten Maschen ihrer Ordnungsvorstellungen und konnte uns nur Leitsätze, Vokabeln und Formeln vermitteln. Alles andere mussten wir alleine suchen und finden. Wir fanden damals den Faust. Im Rückblick mag das überheblich klingen, aber wer sich vergegenwärtigt, welche Alternativen wir hatten, mag ahnen, was dieses gemeinsame Erlebnis für uns damals bedeutete.

Das Abitur war eine Farce. Anschließend begann der sogenannte Ernst des Lebens. Ich arbeitete fast 1 1/2 Jahre als Hospitant im AK St. Georg, weil ich Medizin studieren wollte. Daraus wurde nichts. Die Währungsreform schaffte Voraussetzungen, die mich veranlassten, eine Lehre als Buchhändler zu machen. Anschließend arbeitete ich einige Zeit im Buchhandel und später bei Rowohlt, aber in den 50er Jahren wurde für mich deutlich, dass es in der Zukunft darauf ankam, Geld zu verdienen.

Ich wechselte zur Mineralöl-Industrie und fing bei den Oelwerken Julius Schindler in Hamburg als Korrespondent an. Das Unternehmen betrieb eine Raffinerie und war ein bedeutender Hersteller von Schmierstoffen. In Abendkursen der Ingenieurschule erwarb ich die notwendigen technischen Kenntnisse. Es hat einige Jahre gedauert, aber schließlich wurde ich Prokurist und später auch Geschäftsführer. Das Familien-Unternehmen Schindler wurde von der BP gekauft. Ich war einige Jahre bei der BP in London tätig und wurde schließlich zur BP in Deutschland versetzt, wo ich zunächst einen Teilbereich des Marketing leitete und später als Generalbevollmächtigter für das Marketing tätig war. 1989 habe ich meine Tätigkeit bei der BP beendet. Anschließend habe ich bis 1994 ein Joint Venture aufgebaut, an dem zunächst 5 und später 7 internationale Mineralölgesellschaften beteiligt waren. Man nahm mich für diesen Job, weil man offenbar erwartete, dass ich es schaffen würde, so viele verschiedene Kulturen unter einen Hut zu bringen und auf das gemeinsame Ziel auszurichten. Das Unternehmen arbeitet heute erfolgreich in ganz Europa. Ich bin freiwillig abgetreten, weil ich dachte, das sei nun genug gewesen.

Das ist ein verschlungener Lebensweg, aber ich bedaure keinen einzigen Schritt. Jeder Abschnitt dieses Lebensweges hat für mich viel bedeutet. Es gab helle und dunkle Zeiten. Ich gehörte nicht zu den „Ja"-Sagern und habe dabei, mich gelegentlich auch gegen den Trend stellend, gewonnen und verloren. Insgesamt war das Glück auf meiner Seite. Ich bin jetzt 51 Jahre verheiratet, habe 2 Kinder, einen Sohn und eine Tochter, die beide sehr erwachsen sind, und ich kann zufrieden auf ein erfülltes Leben zurückblicken. Die Medizin verhindert derweil, dass auftretende Roststellen größer werden und ich schaue deshalb nicht nur zurück, sondern auch hoffnungsvoll in die Zukunft.

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