"Making Of"             home

Auszüge aus dem Faust-Tagebuch von Carlo Vernimb:

24.04.46 Sittel und Kischkat sehen "Liliom" und wollen auch mal etwas Großes in der Schule machen.
25.04.46 Sittel schlägt unserem Klassenlehrer Nölle vor, Theater zu machen. Nölle ist sehr erfreut und will Schüler aus allen Klassen teilnehmen lassen. Sittel möchte keine breite Schülerbühne, sondern einfach ein Theaterstück aufführen.
06.05.46 Sittel schlägt vor, Faust aufzuführen. Nölle ist mit einem Versuch einverstanden.
Sittel sucht Leute für die verschiedenen Rollen aus (Höhne, Kischkat, Gluth). Am
15.05.46 schließt sich Vernimb der Gruppe an. Es folgen Auswahl des Textes (viele Streichungen), Texte lernen, vorsprechen, umbesetzen, Proben mit verteilten Rollen. Wer spielt das Gretchen und die Marthe?
06.06.46 Sittel und Vernimb bei Voscherau vom Gemeindehaus Eppendorf (500 Plätze), wollen mieten.
14.06.46 Sittel und Vernimb bei Frau Direktor Schulz von der Mädchenschule Lerchenfeld. Schickt Mädchen für Gretchen und Marthe. Allerdings sind die Proben mit ihnen enttäuschend. Wir suchen weiter.
17.06.46 Sittel und Vernimb bitten unseren Direktor Schröder, uns bei der Suche nach Mädchen zu helfen. Er lehnt ab.
25.06.46 Sittel und Vernimb nehmen am Fröbelseminar von Dr. Detjen teil. Er will uns Gretchen und Marthe besorgen. Es folgen 10 Tage mit Vorsprechen und Spielen mehrerer Mädchen.
01.07.46 Das Gemeindehaus sagt zu. Wir brauchen Genehmigung der Militärregierung, der Kulturbehörde; außerdem eine Versicherung. Wir wollen an zwei Tagen auf der Bühne proben.
05.07.46 Wir entscheiden uns durch Abstimmung für Gerda Mallmann als Gretchen und Ilse Feddersen als Marthe.
Es folgen Proben, Proben, Proben. Wir entscheiden, dass Sittel sich auf die Rolle als Faust konzentriert und Vernimb die Regie macht.
22.07.46 Vernimb besorgt das Formular für die Genehmigung der Militärregierung (im UFA-Haus).
23.07.46 Vernimb beantragt Genehmigung der Kulturverwaltung; die verweisen auf das Gewerbeamt; die wissen auch nichts ("das ist der erste Fall)
". Dann wieder Proben; vieles ist noch nicht gut, aber langsam bekommen wir ein besseres Gefühl.
01.08.46 Endlich kommt die Zusage vom
Gemeindehaus, dass wir am 5. und 7. August auf der Bühne proben können.
05.08.46 Von 8.00 bis 17.00 Uhr im
Gemeindehaus alle Szenen durchgespielt.
07.08.46 Von 8.00 bis 14.00 Uhr im
Gemeindehaus besonders den zweiten Teil geprobt. Ganz gut. Beleuchtung schlecht.
10.08.46 Wir wissen nicht, als was wir den Behörden gegenüber auftreten können. Nölle schlägt vor: als Schüler-Ruderverein Störtebeker (Vernimb ist gerade Vorsitzender).
12.08.46 Voscherau vom
Gemeindehaus verlegt die Vorstellungen auf den 5. und 6. Oktober. Die Rechnung wird Reichsmark 320.- betragen.
13.08.46 United Information Control schickt Vernimb zum Gewerbeamt. Inspektor Becker will nicht genehmigen; wir seien noch keine 21 Jahre alt; und es müsste von der Schule ausgehen; "versuchen Sie es doch noch mal bei der Kulturverwaltung!". Bei der Kulturverwaltung: Regierungsrat von Usslar ist gerade schlechter Stimmung ("kann auch nicht helfen; ist Sache des Gewerbeamtes. Vernimb beschließt: "dann müssen wir eben zum Senator".
Bei Friseur Lau Perücken bestellt.
14.08.46 Proben. Maasch begleitet die Chöre auf der Geige und spielt solo.
16.08.46 Proben.
17.08.46 Sittel und Vernimb zur Kulturverwaltung. Kultursenator Klee-Gobert ist gerade in Urlaub; aber von Usslar gibt uns ein Schreiben mit. - Im Deutschen Schauspielhaus um Kostüme gebeten.
20.08.46 Zum ersten Mal alles zügig durchgespielt, auch mit Musik. Dauer: 4 Stunden.
21.08.46 Nölle macht erstmalig Einwendungen, "sieht schwarz", will abraten. Am 3. September soll eine Kommission, bestehend aus den Lehrern Dr. Teich und Beneckendorf, einen Teil des Stücks begutachten und dann entscheiden. Wir verlangen, daran teilzunehmen, pochen auf "Demokratie". - Bitten Dr. Detjen, uns in der Kommission zu unterstützen.
27.08.46 Vorbereitung auf die Testvorführung (Prolog, Pakt und Kerker).
03.09.46 Direktor Dr. Schröder ruft Nölle, Sittel und Vernimb zu sich und sagt, dass Dr. Teich nicht entscheiden werde, sondern Clasen, der stellvertretende Direktor. - Wir überreden Nölle, da Dr. Detjen ja komme, ebenfalls zur Testaufführung zu kommen und die Entscheidung dann Clasen vorzulegen. Dr. Detjen kommt, Nölle nicht. Nach der Testaufführung macht Dr. Detjen präzise Verbesserungsvorschläge, empfiehlt aber, zu spielen.
04.09.46 Nölle sagt, er hätte gestern nicht kommen können, kann aber nichts gegen Faust sagen, weil er ja das Urteil der Kommission akzeptieren wollte.
05.09.46 Dr. Schröder, offenbar inspiriert durch Nölle, sagt, Die Kommission sei unmaßgebend, Clasen müsse entscheiden, er selber wolle nichts damit zu tun haben. - Blume gibt den Druck der Eintrittskarten in Auftrag.
06.09.46 Nölle kommt triumphierend mit einem Brief, angeblich von Clasen. "Alles aus, alles aus," kann seine Freude nicht verbergen. "Laienspiel und Faust passen nicht zusammen. Verbot von behördlicher Seite; nicht mehr rückgängig zu machen! Packt man ein!" Dabei hat Clasen weder die Testaufführung noch die Kritik von Dr. Detjen gesehen! Wir unterrichten die Klasse, alle sind sehr deprimiert, alle haben in irgendeiner Funktion mit Faust zu tun. Wir fragen noch Zimmermann, unseren Deutschlehrer, ob er uns helfen könne. Er will nichts damit zu tun haben. - Möller will noch durch Dr. Max Sidow Kostüme von der "Jungen Bühne" besorgen, braucht dazu aber die Genehmigung der Schulverwaltung; will deshalb zu Oberschulrat Merck.
07.09.46 Schriftliche Kritik von Dr. Detjen abgeholt. Resüme: "Ich kann nur wünschen, daß die Aufführung gelingen möge, vor allem aus der Erkenntnis heraus, daß hier nicht Eitelkeit und Ehrgeiz negativer Art die Spieler treibt, sondern wirklich dienender Wille, den Dichter zu erfassen und aus seinem Werke zu lernen."
09.09.46 Möller wegen der Kostüme bei der Schulverwaltung, kommt nur bis zum Vorzimmer: 'Merck könne nichts machen'.
10.09.46 Nölle, in höchster Aufregung, ruft Möller raus: "Hintergehung! Verbot, mit Merck zu sprechen!" - Dann zur Klasse: "Habt ihr das immer noch nicht begriffen? Merck hat angerufen und sich 'väterlich aber ablehnend' geäußert." Nölle verbietet uns und insbesondere Vernimb, noch irgend etwas in Punkto Faust zu unternehmen, die Sache sei verboten. - 14.00 Uhr: Vernimb bei Oberschulrat Merck, 35 Minuten mit Merck gesprochen. Der ruft währenddessen Clasen an: Clasen ist weder dafür noch dagegen! Und Merck hat nicht 'abgelehnt'!
11.09.46 Sittel und Vernimb teilen dieses Ergebnis Nölle mit. Nölle gibt nach! - Vernimb geht nachmittags zu Obersenatsrat Dr. Köster. Ergebnis: Faust ist steuerfrei.
12.09.46 Sittel und Vernimb beim Direktor. Der gibt auch nach!
13.09.46 Proben (Auerbachs Keller); gut jetzt.
16.09.46 Nölle fragt, was schon alles Amtliches unternommen sei. Er will alles in die Hände nehmen. - Vernimb nachmittags beim Gewerbeamt und Steueramt Eppendorf.
17.09.46 Sittel und Vernimb beim Deutschen Schauspielhaus, um Kostüme zu bekommen. Wieder Proben.
18.09.46 Vernimb erhält von der Kulturverwaltung die Quittungen über je RM 10.- für die Lizenz zum Spielen des Faust am 5. und 6. Oktober und reicht Antrag bei der Militärregierung ein.
19.09.46 Nölle will alles machen, sagt, er habe vom Direktor Handlungsvollmacht erhalten; setzt Preise für die Eintrittskarten fest (2,50 und 3,50 und 10.- Reichsmark). - Das Schauspielhaus ist bereit, Kostüme aus seinem Fundus in der Amandastraße zur Verfügung zu stellen. Kostüme dort angesehen und ausgesucht.
20.09.46 Eintrittskarten von der Druckerei geholt. Mehrere Klassenkameraden füllen die Eintrittskarten mit der Hand aus.
21.09.46 Wir übergeben Nölle die Karten.
22.09.46 Genehmigung der Militärregierung trifft ein.
24.09.46 Vernimb berichtet Nölle, das er die Aufführungen gemäß der Forderung des Volksheims gegen Haftpflicht und Verluste versichert habe. "Das ist schon wieder eine Hintergehung!"
25.09.46 Kostüme in der Amandastraße abgeholt. - Suchen Friseur für die Perücken.
26.09.46 Ortspolizeibehörde Eppendorf benachrichtigt.
01.10.46 Letzte Requisiten besorgt. Probe: letzte Schliffe.
02.10.46 Genehmigung des Gewerbeamts kommt.
03.10.46 Probe einiger Szenen auf der Bühne im Volksheim. Nölle, im Zuschauerraum, will Änderungen. Vernimb lässt den Vorhang schließen, schneidet so Nölle ab. - Programme von der Druckerei abgeholt. - Nachmittags Beleuchtungsprobe mit Hans-Werner Lang, Horst Kaergel und dem Beleuchter des Volksheims.
04.10.46 7.30 - 13.00 Uhr Generalprobe. Nölle den Mund verboten. Alles klappt! Aber Schminke fehlt. Friseur Walker bestellt. Helms von Photo Helms für Aufnahmen bestellt.
05.10.46 Um 13.00 Uhr im
Gemeindehaus. Walker ist da. Helms ist da.16.30 Uhr Premiere. Alles klappt, viele Besucher, große Begeisterung. Es ist ein tolles Gefühl, so viele Menschen begeistern und so viele Schwierigkeiten überwinden zu können; und dass die Klasse so zusammengehalten hat. Wenn wir so etwas schaffen können, dann können wir auch noch viel mehr schaffen im Leben. Irgendwie ist es auch ein Sieg über Nölle. Nölle kommt kurz in die Garderobe, sagt aber nichts.
06.10.46 2. Aufführung: noch besser, 15 Minuten rasender Beifall, Blumen in Menge, unzählige Vorhänge. Nölle sagt nichts, geht weg. Feier bei Gerntke.
08.10.46 Schulanfang. Die Lehrer haben die Aufführung gesehen, sind aber zurückhaltend. Ahlgrimm soll geklatscht haben. Zeichenlehrer Wulff sagt "gut", obwohl Nölle ihn bedrängt habe, nichts zu sagen. Die Schule hat das Geld für die Theaterkarten eingenommen, erstattet uns aber immerhin alle Auslagen.
11.10.46 Nölle wirft Vernimb Eigenmächtigkeiten vor; versucht, ohne Erfolg, die Klasse zu spalten.
17.10.46 Nölle gibt vor der Klasse eine breite negative Kritik der Faustaufführungen ab. Sittel und Vernimb arbeiten mehrere Tage an einer schriftlichen Erwiderung; tragen sie am
21.10.46 der Klasse vor. Vernimb schlägt der Klasse vor, sich mit Nölle zu versöhnen; schließlich läge der Faust hinter uns und das Abitur vor uns.
22.10.46 Sittel versucht, unsere schriftliche Erwiderung Nölle zu übergeben. Der verweigert die Annahme.
23.10.46 Vernimb bietet Nölle im Namen der Klasse Versöhnung an. Der ist irritiert, zögert; aber was kann er machen?
25.10.46 Direktor Schröder überrascht uns alle mit einer sehr ausführlichen, schriftlichen, durch und durch positiven Kritik. Beispiel (Zitat):
"Durch seine herrliche Leistung ist Höhne der von der ganzen Schulgemeinschaft bewunderte Schauspieler geworden. - - -  Jedes Mal, wenn Höhne auf die Bühne tritt, kann man erfreut beobachten, welch elektrisierende Wirkung von einer sprachlich und mimisch begabten Person ausgehen kann."
Vor versammelter Klasse und in Anwesenheit von Nölle sagt er: "Ich begrüße Kollektivarbeit; nicht unter Oberaufsicht eines Lehrers". Nölle wird immer kleiner.

Nach dem Abitur (März 1947) führen wir den Faust dann nochmals auf:
18. April 1947 auf Einladung der Britischen Militärregierung und des Y.M.C.A. im Hotel Imperator vor englischem und deutschem Publikum. Sittel hält eine Einführungsrede in englisch. Alles klappt.
24. April 1947 im
Gemeindehaus Eppendorf; großer Erfolg.
29. April 1947 in einer Schule in Bergedorf, auf Wunsch von Nölle. Etwa 40 Zuschauer. Alles etwas primitiv.
4. Mai 1947 in Malente. Bei der 1. Vorstellung Kurzschluss; Verzögerung. 2. Aufführung sehr gut.
Von den Erlösen geben wir einen Teil der Deutschen Hilfsgemeinschaft (DHG). Den Rest verwenden wir für eine Klassenfahrt am 20. August 1947 nach Niendorf an der Ostsee (baden und tanzen).

Noch eine Bemerkung zu Nölle:
Nölle war ein guter Mathe-Lehrer. Dieter Möller und ich waren von Mathe so begeistert, dass wir uns nach der Schule und den Hausaufgaben weiter mit Mathe beschäftigten. Einmal stellten wir einen mathematischen Lehrsatz ("Ein Trapez wird von seinen Diagonalen in zwei ähnliche und zwei inhaltsgleiche Dreiecke zerlegt") auf und bewiesen ihn (mit Hilfe des Lehrsatzes "Zwei Dreiecke mit der selben Grundlinie und Höhe haben den selben Flächeninhalt"). In unseren Mathe-Büchern hatten wir ihn nicht gefunden. Am nächsten Tag trugen wir den Satz in der Schule vor. Nölle sagte: "Das gibt es nicht; das würde ich wissen". Als wir ihn bewiesen hatten, sagte er: "Man lernt doch immer wieder etwas Neues" und trug Dieter und mir eine Eins in sein Notizbuch ein.
Dass er uns mit dem Faust so viele Schwierigkeiten machte, lag wohl daran, dass er nicht die Kontrolle hatte, die er um alles in der Welt haben wollte.

Anmerkungen von Walter Blume, gerichtet an Carlo Vernimb:
Ich ging 1946 regelmäßig zur Volkshochschule in der Curschmannstrase und hörte Vorlesungen über den Deutschen Idealismus und eine andere über Deutsche Romantik, es kann aber auch die Deutsche Klassik gewesen sein. Das weiß ich nicht mehr genau. Der Referent dieser Vorlesung war Herr Dr. Detjen. Ich bin nicht sicher, ob ich allein gewesen bin, oder ob noch jemand aus der Klasse dabei war, vielleicht Oswald Maasch.
Wir haben im Laufe einer Vorlesung auch vorlesen müssen. Es war die Sternstunde, als ich Gerda Mallmann und Ilse Feddersen gehört habe. Am nächsten Tag habe ich in der Faust-Runde berichtet und ich meine, dass wir verabredeten, Du würdest mit mir zusammen in die nächste Vorlesung gehen, um Dir die Mädchen einmal anzusehen. Dann folgte alles weitere.
Diesen Teil der Faust-Geschichte habe ich schon unzählige Male, immer wenn ich voll Begeisterung über unser damaliges Vorhaben erzählte, wiedergegeben. Deshalb ist die Geschichte mir auch in so guter Erinnerung. – Vielleicht schaust Du Dir Deine Tagebuchaufzeichnungen noch einmal an, um zu sehen, wie meine Erinnerung da hinein passt.

Zur Entscheidung, die ganze Sache unter „Ruderverein Störtebecker" laufen zu lassen, meine ich zu erinnern, dass wir den Ruderverein erst gegründet haben, um ihn als Mantel für unsere Faust-Aktivitäten zu benutzen. Es entsprach der Einstellung von Nölle, der Gründung eines Rudervereins zuzustimmen, aber mit Faust im Mantel vom Ruderverein haben wir Nölle, soweit ich erinnere, vor vollendete Tatsachen gestellt. Das Kuriosum war doch, dass wir einen Ruderverein hatten und einen Vorsitzenden aber keine Ruderer.

Zur Episode „Merk" ist mir in Erinnerung, dass Du und Dieter bei Merk einen Besuch gemacht haben, dessen Verlauf Du so wiedergibst, wie er mir in Erinnerung ist. Du berichtetest damals, dass der freundliche Herr Merk Dich mit der Bemerkung angepflaumt habe: „Sie trinken wohl nicht nur hiesige und fremde Biere, sondern nehmen auch hiesige und fremde Bleistifte!" Hintergrund dieser Geschichte war, dass Du einen Bleistift vom Tisch des Herrn Merk eingesteckt hattest und die waren zu der Zeit Mangelware.

Erwiderung von Carlo Vernimb auf die Anmerkungen von Walter Blume:
Deine Entdeckung und Vermittlung von Gerda Mallmann und Ilse Feddersen ist sicher so geschehen, wie Du sie gerade beschrieben hast. Mir fällt dazu ein, dass Du, ich und einige weitere später noch an einem Seminar von Dr. Detjen über Faust II teilgenommen haben.

Dass ich bei Merk einen Bleistift entwendet habe, ist mir völlig entfallen.

In Sachen "Ruderverein Störtebeker" muss ich Dir allerdings widersprechen: Wir hatten Ruderer, wir gingen regelmäßig zum Training, wir fuhren einen Vierer mit Steuermann, mit Rollsitzen, aber nicht ganz so schmal wie die Olympiaboote. Jeder der vier Ruderer hatte einen Riemen, den er mit beiden Händen packte (sonst wäre es ein Doppelvierer). Es kam darauf an, den Riemen im richtigen Moment vor dem Eintauchen ins Wasser zu drehen und den Rhythmus einzuhalten. Ein kleiner Fehler brachte alles durcheinander. Das war viel wichtiger als reine Kraft. Ich war die Nummer 3 im Boot. Otto Röttger war Schlagmann (Nr.4). Wer noch mit uns fuhr und wer steuerte, weiß ich leider nicht mehr. Auch mein Faust-Tagebuch hat nur eine Eintragung am 18. 9. 1946: "Nach Rudertraining 6:15 Uhr zum Gewerbeamt"  dann am 22. 9. "Regatta". Es war die Schülerruderregatta Hamburg 1946. Wir siegten mit drei Längen Vorsprung. Das hat mir mein Bruder gerade bestätigt, der mit vielen anderen Schülern unserer Schule vom Ufer zugesehen hatte. Auch Horst Kaergel war dabei. Er hat danach ein Poster gemacht. Um uns anzufeuern, riefen die Schüler im Chor Hugo, Hugo, Hugo. Hugo Nölle war der verantwortliche Lehrer für alle Regatten unserer Schule. Kaergel intonierte dann Carlo, Carlo, Carlo, was meine letzten Reserven freisetzte.

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